21. Festival Palatia Jazz

Doppel-Open-Air-Konzert

Termin: 08.07.2017

19:30 Uhr: Shalosh - The Gell Garden

Das junge Jazz-Trio Shalosh setzt mit dem Debüt The Bell Garden ein Ausrufezeichen in Sachen „Progressiver Jazz“. Pianist Gadi Stern, Bassist Daniel Benhorin und Schlagzeuger Matan Assayag sind seit vielen Jahren befreundet. Auf ihrem gemeinsamen Erstlingswerk zeigen sich die drei jungen Israelis als versierte Jazz-Musiker. Das klassische Repertoire sitzt und trifft auf eine stilistische Innovationsfreude, die Shalosh zu einem heißen Protagonisten des urbanen kosmopolitischen Jazz unserer Tage machen.

Sterns Pianospiel ist zumeist kraftvoll und zupackend. Er beherrscht auch die leiseren Töne und sanfte melodiöse Improvisationen, doch wie brillant er als Tempomacher im Skalenspiel strukturiert, ist hörenswert. Sein Zusammenspiel mit Benhorin ist kongenial. Benhorins vorwärtstreibendes Bassspiel schiebt die Pianovariationen Sterns an, lotet diese aus, durchwandert als Interpret den Part des Mitspielers. Dazu verfügen Shalosh mit Matan Assayag über einen Schlagzeuger, der sowohl Dramatik wie atmosphärische Nuancen zu erzeugen im Stande ist.

„The Bell Garden“ präsentiert akustischen Piano-Jazz, der von musikalischer Begegnung, Verständigung und Improvisationsfreude lebt, ohne das Aufnehmen melodiöser Strukturen zu scheuen. Das wäre soweit sehr gut, bissig und überzeugend. Doch was Shalosh zu zeitgemäßen Jazz-Pionieren macht, ist ihre selbstverständliche Fähigkeit zum Genre-Crossover.

Leaving Maine ist eine ebenso stimmungsvolle wie leicht ironische Verneigung vor dem amerikanischen Folksong. Das monumentale Elephant integriert afrikanische Sounds organisch. Song for Daniel wächst sich mit überdrehten Synthie-Pfeifen zu einem psychedelischen Stück Electro-Jazz aus. Anklänge an den Rock und die Musik des Orients werden produktiv verarbeitet.

Pianist Gadi Stern erklärte zur Veröffentlichung des Debüts die Philosophie des Unternehmens mit einem Vergleich aus dem Jazz: „Bei vielen Jazz-Bands höre ich, wie die Musiker warten, bis sie ihren Part, ihr Solo starten können. Was ich nicht höre, ist die menschliche Beziehung, das Miteinander welches die Musik erschafft. Dies ist ein Reflex der zunehmenden Entfremdung unserer Kultur“. Brücken bauen, Fusionen realisieren und vor allem das lebendige und wogende Zusammenspiel der Musiker bilden bei Shalosh das kreative Zentrum.

 

21:00 Uhr: Jazz - The Story - 100 Years Recorded Jazz Since 1917

Der rührige Vincent Herring hat dieses einmalige Jazz-Projekt für das 100. Jubiläumsjahr in 2017 zusammen getragen. Angefangen im Jahr 1917, dem Jahr in dem die „Original Dixieland Jass Band“ aus New Orleans eingeladen wurde, um als erstes Jazzensemble ein Album auf Schallplatte aufzunehmen, begann die hörbare Musikdokumentation des Jazz bis heute. Gehört doch der Jazz zu einer Musikgattung, die sich über diese hundert Jahre stets in ihrer Stilistik weiterentwickelt hat. Bietet der Jazz bis heute den Musikern und Komponisten ein weites, kreatives Feld der Improvisation und Fusion mit allen anderen Musikstilen.

Vincent Herring wird mit einem ebenso hochkarätigen Jazz-Ensemble, bei welchem auch Steve Turre, James Carter und andere als einige der aufführenden Musiker, die selbst Jazzgeschichte geschrieben haben, durch eine 100-minütige Multimedia Performance in die bislang 100-jährige Geschichte, die durch Tonaufzeichnungen dokumentiert ist, in die Geschichte des Jazz führen. Sicher gründet der Jazz noch weit früher seine Historie, aber diese ist eben wenig gesichert aufgeschrieben und hier nicht berücksichtigt.

Zu hören ist Live-Musik zu den verschiedenen Stilen des Jazz, begleitet von historischen Bildaufnahmen, Fotos sowie einigen Erzählungen und vorgetragene Anekdoten, die dem Zuschauer ermöglichen die Geschichte eines schier unerschöpflichen Musikfundus in einer atemberaubenden Reise durch die Genres zu erleben.

Die 10-köpfige Formation, bestehend aus hochkarätigen Jazz-Musikern, führt durch Performances der verschiedenen Stile durch den Abend – von Blues zu Ragtime über Swing zu Bebop, Mainstream, Cool Jazz, Fusion, Post-Bob und weit mehr. Die Show beginnt mit dem berühmten „Saint Luis Blues“ der Original Dixieland Jass Band.

In neun Musikstationen zeigt die Show im wesentlichen Musik von Fats Waller, Duke Ellington, Glenn Miller, Benny Goodman, George Gershwin, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Count Basie, Charlie Parker, Thelonious Monk, Dave Brubeck, Charles Mingus, Art Blakey, John Coltrane und Ornette Coleman der den Free Jazz mit entwickelt hatte und weiter mit Songs von Oscar Peterson, Chet Baker, Les Mc Cann, Joe Henderson, Pharoah Sanders, Nina Simone, McCoy Tyner, Grover Washington jr., Wayne Shorter, Herbie Hancock, George Benson, Keith Jarrett, John Mc Laughlin, Miles Davis, Wynton Marsalis, Brecker Brothers, Roy Hargrove, Cassandra Wilson, Manhatten Transfer, Pat Metheney Group, Esperanza Spalding, Gregory Porter, Jamie Cullum, Norah Jones sowie Snarky Puppy, Melody Gardot und Brad Mehldau/Joshua Redman usw. Mit den aktuellen Musikströmungen im Jazz zeigt das Konzertprojekt, bestehend aus Einzelstücken und Medleys, wie der Jazz auf verschiedene Weise Einzug in die heutige Musik erhalten hat.

Zu den Protagonisten der eindrucksvollen Show zählen an den Saxophonen der legendäre Vincent Herring, Eric Alexander, der sich in der Bebop-Szene einen Namen gemacht hat und James Carter der schon mit Lester Bowie gemeinsam auftrat. Zu hören sind Steve Turre an der Posaune, der schon mit Ray Charles tourte, Jeremy Pelt an der Trompete, der mit Cassandra Wilson oder Greg Osby die Bühne teilte sowie Jon Faddis, dessen Trompetensound zu einem Meilenstein in der Jazzmusik geworden ist. Rhythmisch wird das Ensemble vom Bassisten Kenny Davis begleitet, der ebenso durch eine Grammy Nominierung als Arrangeur für den Song von „Blue Light Till Dawn“ bekannt wurde, den Cassandra Wilson als Sängerin erhielt. Am Klavier ist Mike LeDonne sowie am Schlagzeug Carl Allen, der schon Lena Horne oder Sammy Davis jr. einst begleitete.

Der Abend wird moderiert. Nicolas Bearde – mit seiner tiefen basslastigen Stimme – wird die einzelnen Stücke vorstellen und sein herausragendes stimmliches Können für das Ensemble in den Gesangsparts mit einbringen.

Dieser Abend findet in Deutschland in dieser Besetzung nur drei mal (!) eine Aufführung und ist ein Novum mit Stars des zeitgenössischen Jazz, die mit viel Sensibilität und im wahrsten Sinne des Wortes „Fingerspitzengefühl“ dieses einzigartige Programm aufführen. Damit empfiehlt sich das Programm „Jazz – The Story“ als Programmpunkt im Motto des Kultursommer Rheinland-Pfalz 2017: „Epochen und Episoden“.

 

Ort: Schloss Villa Ludwigshöhe, Villastraße 64
Veranstalter: S.Y.M Gesellschaft für Kulturmanagement mbH, 67146 Deidesheim, Tel. 06326 | 96 77 77
Beginn: Beginn: 19.30 Uhr Einlass: 18.00 Uhr (mit Jazzkulinarium)
Eintritt: Euro 16 | 29 | 33 | 43 | 53 | 63
Internet: www.palatiaJazz.de
E-Mail: info@palatiajazz.de