Zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9.11.1938 und die Deportation unserer jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen am 22.10.1940

Dieses von der Bildhauerin Helga Sauvageot gestaltete Mahnmal wurde 2008 auf Initiative des Stadtrates am Rathaus zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes angebracht. Jüdische und nichtjüdische Bürgerinnen und Bürger wurden durch das nationalsozialistische Regime und seine Unterstützer in den Jahren zwischen 1938 und 1945 deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben.

Hier vor dem Rathaus in Edenkoben wurden direkt nach der Reichspogromnacht jüdische Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt vertrieben und deportiert.

Auf diesem Mahnmal stehen die Namen von 16 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die deportiert und ermordet wurden, sowie eines weiteren jüdischen Mitbürgers, der in den Selbstmord getrieben wurde.

Der 9.11.1938 war auch in Edenkoben die Fortsetzung bereits bestehender rüder Ausgrenzung und der Beginn weiterer systematischer Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Die Namen von zwei nichtjüdischen Edenkobener Bürgern, die im Namen des nationalsozialistischen Regimes hingerichtet wurden, stehen auch auf der Gedenktafel.

 

In Bussen mit der Überschrift “Freifahrt nach Palästina” wurden die jüdischen Mitbürger verfrachtet. Foto:privat

Namen der Todesopfer

Blum Emilie,
Cohen Elise,
Cohen Jacob,
Damm Hans,
Eppler Bertha,
Eppler Isidor,
Gärtner Moses,
Gottlieb Grete,
Hirsch Anna geb. Loeb,
Hirsch Paula geb. Friede,
Hirsch Richard,
Hirsch Siegmund,
Dr. Hirsch Theodor,
Dr. Kahn Robert,
Kaufmann Emil(e),
Kaufmann Franziska,
Kern Bella Pauline,
Kern Ferdinand,
Kern Emil,
Kern Helena,
Kern Karoline,
Kern Meta,
Kern Siegmund,
Kesstecher Benno,
Mayer Barbara,
geb. Michel,
Mayer Else,
Mayer Jacob,
Mayer Margot,
Mayer Ruth,
Mayer Max,
Michel Martha,
Minster Carl,
Neu August Hermann,
Reif Elisabeth,
Rosenthal Susanne (Suzanne),
Rössner Eduard,
Samson Anna geb. Beissinger,
Samson Carl,
Samson Elsa (Elisabeth),
Samson Else,
Samson Isidor,
Samson Kurt,
Samson Julius,
Samson Siegfried,
Schneb Emma geb. Michel,
Tausig Hermann,
Tobias Pauline,
Weidenreich Helene geb. Gernsheim,
Weidenreich Julius

Ausstellung GURS 1940

Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden

In Edenkoben gab es 2 Deportationen jüdischer Mitbürger

Im November 1938 versammelte die örtliche NSDAP jüdische Mitbürger auf dem Marktplatz vor dem Rathaus im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht. In einen angemieteten Bus – der mit einem Plakat „Freifahrt nach Palästina“ versehen war – verfrachtete man sie nach Baden, in die Nähe von Karlsruhe. Dort wurden sie auf freiem Feld ausgesetzt und bedroht: Sie sollen nicht nach Edenkoben zurückkommen.

Wie auf dem Bild links zu erkennen ist, wurde diese Deportation durch die SA in aller Öffentlichkeit unter Beteiligung einer großen Menge Edenkobener Bürgerinnen und Bürger durchgeführt.

Einige dieser Deportierten sind aus Mangel an Alternativen trotzdem nach Edenkoben zurückgekommen.
Am 22. und 23. Oktober 1940 fand dann die nach den NSDAP – Gauleitern von Baden und der Pfalz, Wagner und Bürckel, benannte „Wagner – Bürckel – Aktion“ statt. Bei dieser Aktion wurden über 5.500 badische, über 800 pfälzische und saarländische jüdische Mitbürger in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. (insgesamt waren es 6 500 Personen). Baden und Pfalz wurden dann von der NSDAP als „judenrein“ bezeichnet. Auch die Edenkobener jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden deportiert.

Auf diesem Mahnmal stehen die Namen von 16 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die deportiert und ermordet wurden. Im Gedenkbuch für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus des Bundesarchivs in Koblenz sind die Namen von weiteren Juden hinterlegt, die deportiert und ermordet wurden. Diese sind entweder in Edenkoben geboren oder hatten über kurze oder längere Zeit ihren Wohnort in Edenkoben.

In Gurs, unter unmenschlichen Bedingungen interniert, starben die ersten Juden, darunter auch Edenkobener. Wer aus Gurs in der Folgezeit nicht fliehen konnte, wurde von dort aus in die Konzentrationslager des Ostens deportiert und dort ermordet. Ein älterer jüdischer Mitbürger wurde nicht deportiert. Isoliert in Edenkoben lebend und auf sich allein gestellt, beging er Selbstmord.

Auf dem Mahnmal finden sich auch die Namen von zwei nichtjüdischen Mitbürgern, welche 1944 durch die nationalsozialistische Justiz hingerichtet wurden.

Mahnmal am Ludwigsplatz

Standort der Mahntafel

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